Konstantin Voit mit A FLOCK OF BIRDS im Kahnweilerhaus


Dr. Sebastian P. Baden, Kurator der Kunsthalle Mannheim, wird in die Ausstellung einführen. Wegen der Enge der Räume im Kahnweilerhaus wird auch diesmal die Vernissage wieder im Hof vor dem Haus stattfinden. Die Ausstellung ist bis zum 25.Oktober 2020 zu den üblichen Öffnungszeiten donnerstags-sonntags jeweils von 15-17 Uhr zu besichtigen, sowie auch nach Vereinbarung.

Konstantin Voit, über die Region hinaus bekannt für seine Malfabrik und der weltweit größten Sammlung an Malschablonen, ist ein systematischer Künstler. Das hat er vor vier Jahren mit seiner Installation „Kernsystem“ im Port 25 in Mannheim gezeigt, als die zentrale Wand rastermäßig mit Hunderten von Zeichnungen und Objekten bespielt wurde. Für geduldige Besucher ein unerschöpflicher Quell an Einfällen und Gedanken zur Kunst, ein überbordendes Konglomerat aus Skizzen und persönlicher Environments.

Dass neben aller Systematik ein versteckter Romantiker die zarte Glocke schlägt, beweist der Künstler jetzt im Kahnweilerhaus in Rockenhausen. Aus besagtem Ideenkatalog, dem das gesamte malerische Werk entspringt, wurde der lyrische Ansatz gefiltert und behutsam mit den knarzenden engen Räumlichkeiten des traditionellen Museums verbunden.

Das Ergebnis sind Miniaturen sehr privater Art: Fundstücke aus 25 Jahren konzeptueller Forschung, bei der die Möglichkeiten von Kunst bis an ihre manchmal fast unsichtbaren   Ränder ausgelotet werden. Es sind die leisen Momente, die entzücken-ein gestreicheltes Blatt Papier, die vertrocknete Rose in der Sektflasche, das Hasenherz aus Schmetterlingsflügeln.

Einmal frisches, sonniges Idyll, einmal grob und düster wie eine Gewitterfront. Bilder voller Symbolik, zugleich heiter wie schwer, nachdenklich, humorvoll und stets rätselhaft. Wer Dinge lesen kann, blickt tief. Selten kam Persönliches so nah. Ein Schwarm bewegter Einblicke in die Person des Fabrikdirektors, die man so nicht erwartet hätte. Fly on mag man dem Künstler wie Menschen bei seiner rastlosen, nie endenden Suche zurufen.

Konstantin Voit sammelt Schablonen. Über 10 000 Mal- und Zeichenschablonen hat der Künstler mittlerweile zusammengetragen und verwendet sie in seiner Malfabrik als Grundlage sämtlicher Werke. Er steht damit ganz in der Tradition der Pop Art. Die schematisierten Darstellungen von Objekten aus der Alltagskultur überträgt Voit in neuen Zusammenhang und gibt den Zeichen oftmals eine neue Bedeutung.

Die Schablone Plaque Découpée Universelle aus dem Jahr 1876 ist sicherlich die komplexeste in der Sammlung, da sie nicht nur eine oder mehrere in sich geschlossene Formen parat hält, sondern einen gesamten Zeichensatz. Es ist ein frühes typografisches Allround-Tool. Konstantin Voit legte die Schablone bereits dem Kunst am Bau - Projekt an der Erich-Kästner-Schule in Ludwigshafen zugrunde. Er nützt die Schablone nicht nur als Malwerkzeug, sie ist auch immer in ihrer Gesamtheit zu sehen. Aus dem grafischen komponierten Liniengewirr hebt sich der jeweilige Buchstabe oder das Zeichen hervor. Wie bei einem Spiel gibt die Schablone das Regelwerk vor, die Rahmen-Bedingungen, die eine endliche Anzahl an sinnvollen Zeichen erlauben.

Der 1964 in Mannheim geborene Künstler lebt und arbeitet in der Kurpfalz und in Paris. Von 1989- 1996 studierte er an der Hochschule für bildende Künste, Hamburg. Folgende Auszeichnungen bzw. Förderungen wurden Konstantin Voit in den letzten 20 Jahren zuteil: 2018: das Stipendium Cité internationale des Arts, Paris. 2016: Kunst am Bau, Erich-Kästner-Schule Ludwigshafen/Rhein. 2015: Katalogförderung der Stadt Mannheim. 2014: WeldeKunstpreis. 2012: WeldeKunstpreis. 2010-14: Atelierstipendium der Stadt Mannheim. 2008: Lions Art, Mannheimer Kunstverein. 2006: Kunstpreis der 16.Künstlermesse Karlsruhe (1.Preis). 2005: Atelier und Künstler, Rhein-Neckar-Kreis. 2005: Arbeitsstipendium Rheinland- Pfalz. 2004: Arbeitsstipendium Mummelsee. 2003: Kunstpreis der Stadt Bühl (1.Preis) - WeldeKunstpreis (1.Preis). 2002-04: Atelierstipendium des Landes Baden-Württemberg, Kunstakademie Karlsruhe. 2000: Stipendium Künstlerhaus Schloss Balmoral, Rheinland-Pfalz. Stipendium der Stiftung Kulturfond Berlin, Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop, Mecklenburg-Vorpommern.